Die BIRKAN-Saga.

Episode 1: Die Verwirklichung einer revolutionären Idee (1914 - 1924)

Gummitücher wurden zu Beginn des 20. Jahrhunderts zwar schon in einigen Druckereien verwendet, doch war ihr Einsatz umständlich und teuer: Sie mussten täglich von Hand gereinigt werden und bekamen durch den Kontakt mit Öl und Farbe schnell Risse. Zudem musste zum Einspannen der damaligen Drucktücher, die manchmal noch aus Nessel oder Moleskin waren, vorne und hinten ein kräftiger Stoff angenäht werden. So auch bei der Münchner “Neuen Freien Volkszeitung”, wo der gelernte Rotationsdrucker Alois Kandlbinder seit seinem 13. Lebensjahr beschäftigt war.

Inzwischen war er Obermaschinenmeister und fand, es sei an der Zeit, diese Situation zu verbessern. So stellte er sich die Aufgabe, ein einsatzfähiges, haltbares, pflegefreundliches Gummituch für den Zylinder der Rotationsmaschine zu entwickeln. Es dauerte mehrere Jahre, bis das Ergebnis fertig war: Ein Gummituch mit angewebten Aufspannlängen, die dem Drucktuch und dem ganzen Zylinderaufzug eine besondere Betriebssicherheit gaben. Eine revolutionäre Erfindung, die viele Druckereien sehr schnell überzeugen konnte.
Eine erste Gebrauchsmustereintragung erfolgte 1914, und die ersten Tücher waren schon im Einsatz – doch dann verzögerten der Erste Weltkrieg und der Rohstoffmangel der Nachkriegszeit die Weiterentwicklung. Hieran beteiligte sich jetzt auch sein Freund Georg Seidel, ebenfalls gelernter Drucker und Inhaber eines graphischen Fachhandels. 1922 war es dann so weit: Das "Triumph"-Drucktuch wurde als Patent registriert.

Nachdem auch die schwere Hyperinflation von 1923 überstanden war, die das wirtschaftliche Leben in Deutschland fast zum Erliegen gebracht hatte, konnte das Drucktuch endlich in Produktion gehen. Mit der Herstellung wurden die in München ansässigen Metzeler Gummiwerke beauftragt. Nun stand der Selbstständigkeit Alois Kandlbinders nichts mehr im Wege: Zusammen mit einem Kollegen der Volkszeitung, dem gelernten Kaufmann Ferdinand Birkner, gründete er den „Gummituchvertrieb Triumph München“. Am 12. November 1924 wurde dieser als Birkner & Kandlbinder oHG ins Handelsregister eingetragen.
Firmengründer bei der Neuen Freien Volkszeitung

Die Firmengründer, hier noch Mitarbeiter der Neuen Freien Volkszeitung, München: Ferdinand Birkner (vermutlich 3. Reihe, ganz links) und Alois Kandlbinder (1. Reihe, ganz rechts)

Werbeflyer Volke und Seidel

Werbung des Vertriebspartners Volke und Seidel aus den frühen 20er Jahren (Georg Seidel hatte sich selbst an der Ausarbeitung des Triumph-Gummituchs beteiligt)

Werbung für Friedensware

Ein Gummituch sollte vor hundert Jahren ähnliche Probleme lösen wie in heutiger Zeit. Jedoch verweist die Hervorhebung der Qualität in altbewährter “Friedensware” auf die damaligen Um- bzw. Zustände.

Portrait Alois Kandlbinder

Alois Kandlbinder hatte bereits 1914 eine Firma für den Vertrieb seines Gummituchs "Triumph" gegründet.

Druckereigebäude

Verleger der Neuen Freien Volkszeitung war Julius Marchner, hier vor seinem Druckereigebäude. Die junge Dame ist seine Nichte Maria Marchner, spätere Frau Kandlbinder.

Sonderdruck 1886

Auch die Neue Freie Volkszeitung machte das Beste aus schlechten Nachrichten... und hinterließ damit ein historisch bedeutsames Dokument.

Patent Originalansicht

Seit 1922 war das "Triumph"-Gummituch durch ein Patent geschützt.

Von Kandlbinder verfasste Gebrauchsanweisung

Beschreibung und Gebrauchsanweisung, verfasst von Alois Kandlbinder

Referenzen für das Triumph Gummituch

Namhafte Druckereien äußerten sich 1920/1921 lobend über das Gummituch.

Werbeflyer Volke und Seidel

Werbung aus den frühen 1920er Jahren